Ein Blick zurück – und ein Appell an die Zukunft
Drei Jahre ist es her, dass der österreichische Klimarat seine Empfehlungen an die Bundesregierung übergeben hat. Anlass genug für den Verein des Klimarats, Bilanz zu ziehen – mit einem klaren Fazit: Ja, es gibt Fortschritte, aber sie reichen bei Weitem nicht aus, um die Klimaziele rechtzeitig zu erreichen.
CO₂-Ausstoß sinkt – aber viel zu langsam
Der Trend beim CO₂-Ausstoß zeigt in die richtige Richtung: In den letzten drei Jahren sind die Emissionen in Österreich kontinuierlich gesunken. Dennoch mahnt Thomas Müller, Obmann des Klimarat-Vereins: „Der Trend ist erfreulich, aber viel zu langsam. Statt Maßnahmen zu beschleunigen, bremst die neue Bundesregierung Klimaschutz-Instrumente bewusst aus – etwa bei der Solarförderung oder dem Klimabonus.“
Besonders kritisch: Klimaschädliche Subventionen wie das Dieselprivileg bleiben unangetastet. Ein Rückschritt statt Fortschritt.
Falsche Signale: Pendler-Euro und verpasste Chancen
Ein Beispiel für verfehlte Maßnahmen: die geplante Verdreifachung des Pendler-Euros ab 2025. Klimarat Gerhard Fischbacher bringt es auf den Punkt: „Wenn jemand die CO₂-Steuer für mich übernimmt, verliert sie jede Lenkungswirkung.“ Statt Vielfahrer:innen zum Umstieg auf umweltfreundlichere Alternativen zu motivieren, wird hier ein gegenteiliger Anreiz geschaffen.
Auch einfache Maßnahmen mit großer Wirkung bleiben ungenutzt – etwa Tempolimits. „Hätten wir 2022 Tempo 100 auf Autobahnen eingeführt, würde heute niemand mehr darüber reden – aber wir würden jeden Tag Emissionen und Geld sparen“, so Müller.
Energie: Mach’s selbst – oder es wird nichts
Besonders laut wird die Kritik in Kärnten: Dort wird der Ausbau der Windkraft immer wieder politisch blockiert. Für Klimarat Franz Zlanabitnig ist klar: „Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose – wir müssen ihn nachhaltig selbst erzeugen.“ Die Förderung erneuerbarer Energie – vor allem durch Eigenproduktion – müsse dringend beschleunigt werden.
Plastik vermeiden statt recyceln
Positiv bewertet der Klimarat das neue Pfandsystem für Einwegflaschen. Doch Vizeobfrau Madeleine Stranzinger fordert mehr: „Eine Mehrwegquote von 80 % ist längst überfällig. Plastikrecycling ist teuer und oft umweltschädlich.“ Ihr Appell an die Konsument:innen: bewusst einkaufen, denn jede Kaufentscheidung hat Auswirkungen.
Bodenversiegelung: Die stille Krise
Kaum Bewegung sieht der Klimarat beim Thema Flächenverbrauch. Klimarat Alois Lachinger warnt: „Wir brauchen keine Großmärkte im 5-Kilometer-Takt. Der ungezügelte Bodenverbrauch gefährdet unsere Lebensgrundlagen.“ Der Verein fordert gesetzliche Grenzen gegen den sogenannten Flächenfraß – zum Schutz von Natur, Lebensraum und Ernährungssicherheit.
Bürger:innen bleiben dran
Trotz aller Rückschläge bleibt der Verein des Klimarats aktiv. Er versteht sich als Stimme engagierter Bürger:innen aus allen Regionen und Berufsgruppen. Franz Zlanabitnig bringt es zum Abschluss auf den Punkt: „Wir alle tragen Verantwortung, die Natur und Schöpfung zu bewahren.“
Der dritte Jahrestag ist also kein Grund zum Feiern – aber ein klarer Auftrag: Tempo machen. Für echten, wirksamen Klimaschutz.


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